Kirche bietet Hotel für Gestrandete

Diakonische Hilfe ganz konkret

Bei Christoph Sigrist, Pfarrer am Grossmünster, klingelt es regelmässig am Pfarrhaus. Er wird um eine milde Gabe angegangen. Randständige Menschen, Asylsuchende oder Arbeitslose schildern ihre Notsituation und sind sich sicher, dass es zu den Aufgaben eines Pfarrers gehört, ihnen zu helfen. Sie suchen etwas Geld, ein warmes Essen oder vielleicht ein Bett für die Nacht. In den reformierten Kirchen der Stadt Zürich gibt es seit einigen Monaten für die Bettler aber nichts mehr. Statt klingender Münzen gibt es für die Ärmsten und Schwächsten von den Kirchen nur noch einen Flyer - aber dieser ist fast noch mehr wert. Darauf die Wegbeschreibung zum Café Yukka. Christoph Sigrist: «Ich gebe den Hilfesuchenden den Zettel und sage ihnen, sie sollen sich an das Restaurant wenden. Dort werden die Leute mit ihnen reden über das, was sie bewegt.»
Das Café Yukka der Zürcher Stadtmission (www.stadtmission.ch) ist ein ganz besonderes Restaurant. Hier finden Randständige seit 30 Jahren ein neues Zuhause. Durch die Zusammenarbeit mit den Pfarreien konnte das Café in der letzten Zeit ausgebaut werden. Leute die es besonders hart getroffen hat, finden im Yukka eine günstige oder kostenlose Übernachtungsmöglichkeit – eine Wohnung mit einigen Betten ist dem Café angeschlossen.
Besonders wichtig seien die Gespräche mit den Betroffenen, so Regula Rother. An der Pfarrhaustüre würden diese kaum stattfinden. «Ein Pfarrer hat einfach nicht das fachliche Know-how, um wichtige Abklärungen so zu treffen, dass man daraus eine nachhaltige Lösung ableiten kann», sagt Regula Rother, Leiterin der Zürcher Stadtmission.
Dass der Pfarrer die Verantwortung quasi abschiebt, stört Christoph Siegrist nicht: «Man muss sich so vernetzen, dass die Hilfe besser ankommt.» Die reformierte Kirchengemeinde hilft: Rund 450‘000 Franken lässt sie sich das Angebot des Cafés Yukka jährlich kosten.
Das Schweizer Fernsehen widmete der Aktion in „Schweiz Aktuell“ einen prominenten Beitrag (http://tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2010/01/12/Schweiz/Der-Pfarrer-schickt-die-Bettler-in-die-Beiz). Diakonische Projekte können einzelne Kirchen rasch überfordern. Als lokale Allianz ist aber vieles machbar.
Herzlich, Markus Baumgartner
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