Gott im Erdbeben

Uneigennützige Hilfe mitten in der Katastrophe

Christchurch auf der neuseeländischen Südinsel war am 22. Februar von einem Erdbeben betroffen. Es war das zweite nach fünf Monaten und hinterliess Wassermassen, Schlamm, viele beschädigte Häuser und Menschen, die das Leben lassen mussten. Es gab kein Trinkwasser, keinen Strom, kein Telefon, kein WC mehr. Der Supermarkt war geschlossen, die Tankstellen beschädigt. In diesem Elend tat die Grace Vineyard Church einen uneigennützigen Dienst. Sie hat innert Kürze ein Care Center eingerichtet, das zum grössten Verteilzentrum im Osten von Christchurch wurde und auch heute noch in Betrieb ist. Täglich von 8 bis 18 Uhr offen haben hier schon Tausende kostenlos Waren bezogen. Hier ein Augenzeugenbericht meiner Kollegin Katharina Graber:
Am ersten Wochenende nach dem Erdbeben sehe ich eine Menschenmenge vor dem Gebäude. Eine Passantin kommt mir entgegen: "Gehen Sie dorthin, da erhalten Sie warmes Essen."  Warmes essen? Das ist zurzeit purer Luxus! Tatsächlich, es gibt gegrillte Lammwürste mit Zwiebeln und Champignon. Dazu frisches Wasser, heissen Kaffee und selbstgebackene Süssigkeiten. Das sind alles Dinge, die ich seit Tagen nicht mehr hatte. Das berührt mein Herz. Dieser Service musste mühsam organisiert werden. Die Hilfe kommt vom anderen, intakten Stadtteil.
Eine Frau im T-Shirt, das mit "Crew" angeschrieben ist, kommt auf mich zu: Brauchen Sie Hilfe? Haus aufräumen? Eine Dusche? Kleider waschen? Das alles ist Labsal in meinen Ohren. Ich erzähle der Frau, dass unser Haus Risse im Fundament hat, schief steht und von einem See und aufgebrochenen Strassen umgeben ist. Sie drückt mir Bananen, einen halben Kabiskopf und eine Kürbishälfte in die Hand. Mit einer Lammwurst in der anderen Hand mache ich mich auf den Heimweg. Entlang dem Fluss, kullerten mir die Tränen, einfach vor Freude. Da ist jemand da, der mir Dinge in die Hand drückt, die für mich nicht einfach so erhältlich sind.
Am nächsten Morgen gehe ich in die Vineyard-Kirche, auch als Dank für die Hilfsbereitschaft. Der Gottesdienst sollte in der leerstehenden Halle stattfinden. Doch die alte Halle war inzwischen voll von Lebensmitteln. Lieferanten brachten Hygieneartikel, frische Esswaren und Notvorrat. Nach dem Gottesdienst könne man hier Bananenschachteln mit den nötigen Dingen füllen – "for free". Mehr noch, ein Helikopter bringt warmes von der Armee gekochtes Essen für Hunderte von Menschen. Wer verteilt es? Die Vineyard-Kirche in der alten Halle.
Der Gottesdienst findet auf dem Parkplatz neben dem Polizeigebäude statt. Der Sergeant hält eine kurze Ansprache. Kirche und Polizei arbeiten Hand in Hand. Eine Freiwilligengruppe geht mit Schaufeln los, schippt bei einer alten Frau den kniehohen Schlamm aus dem Haus. Ein taiwanesisches Rettungsteam bringt Reis zur Kirche und einen Tisch weiter gibt es die gegrillten Lammwürste. Sogar ein Generator steht bereit, wo ich meinen Akku für das Handy aufladen und meine Familienmitglieder zu Hause beruhigen kann.
Die Kirche setzt auch ein tägliches Kinderprogramm auf. Sie wird sogar vom General des Gouvernor Sir Anand Satyanand besucht, was die Helfer sehr ermutigt. Auf der Homepage der Kirche können alle unter Erdbebenhilfe anklicken „Ich brauche Hilfe“, „Ich kann helfen“, „Spenden“, „Erdbeben Information“, „Ich benötige Gebet“, „Relief Centre“ und es gibt einen Blog des Pastors David McGregor (alles auch auf einem Videoclip www.youtube.com/watch?v=Vl5eBeU2c9s&feature=youtube_gdata).
In Gesprächen erfahre ich, dass die Helfer selbst vom Erdbeben betroffen sind, ihre Häuser beschädigt oder verloren sind. Aber nichts kann sie bremsen, zu gross ist ihre Liebe. Das ist wahre Nächstenliebe, ohne grosse Worte aber mit konkreten Taten. Christchurch braucht noch Jahre, um sich zu erholen. Doch es gibt Hoffnung.
Herzlich, Markus Baumgartner
 
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