Bibel, Bier und Heavy Metal

Der erste Heavy-Metal-Pfarrer der Schweiz

«Der Hirte der schwarzen Schafe» titelte der «Tages Anzeiger» ein Porträt über den reformierten Pfarrer Samuel Hug (30). Düstere Gestalten, laute Musik und satanische Symbole – die Heavy-Metal-Szene scheint auf den ersten Blick alles andere als christlich. Samuel Hug sieht das anders: «Viele Metal-Texte befassen sich mit dem Glauben. Aber klar provoziere ich mit meinem Auftreten gewisse Leute», sagt er gegenüber der Zeitung «20 Minuten». Seit fast vier Jahren ist Hug Pfarrer in Wattenwil BE.
Er hat das christliche Heavy-Metal-Netzwerk unblack.ch gegründet (www.unblack.ch). Nun will er noch einen Schritt weiter gehen: Im November plant er in Worblaufen den ersten Heavy-Metal-Gottesdienst der Schweiz. «Es soll eine Mischung aus Metal-Konzert und Gottesdienst sein», so Hug. Regelmässig trifft er sich mit anderen Metal-Anhängern im Keller seines 600-jährigen Pfarrhauses, um Musik zu hören, zu beten und auch mal ein Bier zu kippen. An Heavy-Metal, in der Szene kurz Metal genannt, fasziniert den Pfarrer «das Starke, Leidenschaftliche, das Archaische, Unverfälschte, Unverblümte». Metal und Glaube gehören für Samuel Hug untrennbar zusammen: Es war 2007, nach einem Metal-Gottesdienst in Uster, als der US-Bassist ihn mit der Aussage aus der Fassung brachte: «Gott sagte mir, du sollst Hirte der schwarzen Schafe werden.» Die Prophetie kam ausgerechnet in einem Moment, in dem der Theologiestudent der Uni Bern die ganze Metal-Sache eigentlich loslassen und das Lizenziat vorbereiten wollte.
Heute wohnt die junge Familie mit den drei kleinen Söhnen im altehrwürdigen, idyllisch gelegenen Pfarrhaus von Wattenwil. Die halbe Stelle erlaubt es Hug, in der Restzeit auf eigene Rechnung als erster Metal-Pfarrer der Schweiz zu wirken. Am Anfang sprach ihn, den anständigen Jungschärler, einfach die Metal-Musik an. Aus der eigenen Worship-Band wurde die Metal-Band Heavenly Soldiers und Hug bis 2005 deren Frontmann und Sänger. Einmal im Monat stellt Hug eine Video-Andacht ins Internet (http://www.youtube.com/watch?v=ByYSl3msMHo&feature=relmfu). Viermal im Jahr lädt er Metal-Musiker zu Treffen ein, um über ein Thema im Bereich Glauben und Musik nachzudenken.
Er hat geholfen, die ursprünglich schwedische und englische Metal-Bibel in ordentliches Deutsch zu übersetzen. Sein neuestes Projekt heisst Metal Church: Viermal im Jahr soll die weit zerstreute Metal-Gemeinde im Berner Worblaufen Gottesdienst feiern. In seiner Kirchgemeinde Wattenwil kommt Hug trotz seiner ungewöhnlichen Nebentätigkeit gut an. Nur hin und wieder müsse er den Gläubigen erklären, was er sonst noch so mache, sagt er. Etwa nach den Bibel- und Glaubensgesprächen, die unter dem Titel «Bibel, Bier und Metal» im Pfarrhausgarten stattfinden und schon mal die Glocken der weidenden Kühe übertönen.
Herzlich, Markus Baumgartner
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