Ungewöhnliche Freundschaft zwischen einem gläubigen Christen und einem atheistischen Juden: Pfr. Oskar Pfister begründete die Pastoralpsychologie und profitierte dabei von einer 30-jährigen Freundschaft mit Sigmund Freud. Ein neues Buch beleuchtet die Hintergründe.




 
 

Pfarrer war Freund von Freud

Briefwechsel zeugt von aussergewöhnlicher Beziehung

Obwohl Sigmund Freud die Religion als «Wunschwelt» sah, profitierte der Zürcher Pfarrer Oskar Pfister enorm von ihm. Das kam so: Pfister war sozial engagiert und gehörte zu den Mitbegründern der religiös-sozialen Bewegung. Er war in seinem Pfarramt stark von der Industrialisierung betroffen und hatte zahlreiche Menschen in der Seelsorge, denen er nicht helfen konnte. Er fühlte sich hilflos gegenüber den Schicksalen von psychischen Störungen. Oskar Pfister gewann nach einem Besuch in Wien Sigmund Freund rasch als Freund. Gleich zu Beginn des Briefwechsels hatte Freud geschrieben: «Ich bin sehr frappiert, dass ich selbst nicht daran gedacht habe, welche ausserordentliche Hilfe die psychoanalytische Methodik der Seelsorge leisten kann.» Pfister entwickelte und praktizierte eine Form analytisch-seelsorglicher Gesprächsführung. Darüber berichtete Radio SRF 2 in der Sendung Perspektiven.


Sigmund Freud
(1856-1939), der Begründer der Psychoanalyse, pflegte zeitlebens viele Freundschaften mit Fachkollegen. Kaum eine dauerte so lange wie jene mit Pfarrer Oskar Pfister (1873-1956), dem Begründer der Pastoralpsychologie und 1919 Mitgründer der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse. Die beiden standen wahrend mehr als 30 Jahren in regem Briefkontakt. Ihre Korrespondenz zeugt von einer tiefen Freundschaft und intensiver fachlicher Auseinandersetzung. Diese ungewöhnliche Beziehung wird in einem Buch neu dargestellt: Die Berner Theologieprofessorin Isabelle Noth fand 80 bisher unbekannte Briefe, die sie erstmals edierte und kommentierte (Sigmund Freud / Oskar Pfister: Briefe. 1909–1939», TVZ-Verlag Zürich). 

Wer war Oskar Pfister? Er war der Sohn eines reformierten Pfarrers. Seinen Vater verlor er aber schon im dritten Lebensjahr. Nach dem Schulbesuch in Wiedikon und Königsfeld (Schwarzwald) studierte Pfister Theologie in Basel und Zürich. Nach dem Examen 1895 schob er in Zürich und Berlin
noch ein Philosophie-Studium nach. 1897 wurde er in Zürich mit einer religionsphilosophischen Arbeit über den Zürcher Theologen Alois Emanuel Biedermann (1819–85) zum Dr. phil. promoviert. Nach fünf Jahren als Pfarrer in Wald ZH arbeitete Pfister von 1902 bis zur Pensionierung 1939 als Pfarrer in der Zürcher Altstadt. Drei Berufungen als Universitätsprofessor lehnte er ab, weil er seine Berufung im Pfarramt sah.
 
Herzlich, Markus Baumgartner
 
P.S. Schlussspurt bei der Wahl, wer den Dienstagsmail Award 2014 für gelungene Kommunikation erhalten soll (http://www.dienstagsmail.ch/de/award-umfrage-2014.html). Sie können noch bis 15. Mai abstimmen.
P.P.S. Und Sie dürfen sich bis 15. Mai auch noch zum Dienstagsmail-Fest anmelden (siehe Beilage).
 
 
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